Der Lehmann- Garten am ehemaligen Joachimsthalschen Gymnasium Templin ist um weitere Raritäten reicher.
Dank der Unterstützung durch Norbert Bukowsky und Arno Hinz vom NABU Templin und der Genehmigung durch den Naturschutzfonds Brandenburg konnte das Orchideenbeet aufgefüllt bzw. erneuert werden.
Im Naturpark Uckermärkische Seen bei Mildenberg blühten in diesem Jahr mehrere Tausend Orchideen auf einer langjährigen Pflegefläche, deren Eigentümer die Stiftung NaturSchutzFonds (NSF) Brandenburg ist. Es handelt sich um ehemalige Treuhandflächen. Seit mehreren Jahren gibt es Kooperationsverträge z.B. mit der Grundschule Mildenberg, die die Pflege der Fläche und die Zählungen der Orchideenarten umfasst. Die Pflegefläche am Döbert- und Pappelstich befinden sich im FFH Schutzgebiet Zehdenicker- Mildenberger Tonstiche. Mit 8 verschiedenen Orchideenarten gehört die Wiese zu den Artenreichsten in Brandenburg. Dieser Artenreichtum ist leider nicht natürlich. Im Gebiet wurden wurden 3 gebietsfremde Arten angesiedelt, die ihr Siedlungsgebiet in der Tatra, den Karparten und an der Nordsee haben.
Zu ihnen zählt das Übersehene Knabenkraut- Dactylorhiza praetermissa (Druce) Soó und das Langährige Knabenkraut- Dactylorhiza saccifera (Brongn.) Soó.
Das Übersehene Knabenkraut hat ein sehr kleines Verbreitungsgebiet, die atlantische Art wurde unter anderem bisher in Nord- und Mittelfrankreich, England, Holland und Dänemark nachgewiesen. In Deutschland war diese Art bisher auf NRW, Rheinland- Pfalz, Schleswig- Holstein, Niedersachsen und Hamburg beschränkt. In Mecklenburg- Vorpommern gab es 2003 erste Fundorte, wobei von einer natürlichen Ausbreitung ausgegangen wird. In Zehdenick wird von einer gezielten Ausbringung ausgegangen. Das Übersehene Knabenkraut blüht von Ende Mai- Ende Juni, die Blütenfarbe variiert von violett bis purpurviolett. Der zylindrische Blütenstand kann bis zu 60 Einzelblüten enthalten. Mit einer Wuchshöhe von bis zu 70cm, ist diese Art eine der stattlichsten Orchideen. Die Laubblätter sind entweder rein grün oder wie bei der Varietät junialis mit dunklen Flecken versehen. Der Wuchsort ist eine Ziegelschuttfläche, die einen hohen Anteil an Ton besitzt.
Das Langährige Knabenkraut hat sein Hauptverbreitungsgebiet auf dem Balkan. Der Blütenstand ist zunächst kegelförmig, dann zylindrisch und kann bis 20cm lang werden. 20- 100 purpurviolette bis weiße Einzelblüten sind im Blütenstand zu finden. Der Sporn ist besonders auffällig, dieser ist schwach konisch sackartig geformt und 10- 14mm lang. Die Laubblätter sind abgestumpft, 10- 20cm lang und etwa 2,4cm breit. Meistens haben die Blätter oberseits bräunliche Flecken. Der bevorzugte Standort ist feucht und basenreich. Auf der Ziegelschuttfläche in Zehdenick ist auch bei dieser Art von einer gezielten Ausbringung auszugehen.
Obwohl die Arten zu den nicht heimischen Arten gehören, sind sowohl das Übersehene Knabenkraut als auch das Langährige Knabenkraut laut Bundes Artenschutz Verordnung besonders geschützt.
Da diese beiden Arten durch Kreuzung mit den heimischen Arten negative Auswirkungen haben können, sollen die Bestände nach Vorgabe des Landesumweltamtes reguliert werden. Im Lehmann Garten soll auf diesen Zusammenhang hingewiesen werden.
Möchten Sie mehr erfahren? Dann besuchen Sie uns.
Bis Oktober ist der Lehmann-Garten jeden Mittwoch in der Zeit von 10-12 Uhr für Besucher geöffnet.
Zusätzlich öffnen wir den Garten am Sonntag, den 13. September 2026 von
10-16 Uhr für alle Interessierten.
Die Ausführungen sind der Broschüre „Orchideen zwischen Ucker und Havel“, herausgegeben vom NABU Deutschland Regionalverband Templin e.V., entnommen.
Fotos: N. Bukowsky und C. Lick