Obwohl der Winter noch immer alle in Atem hält, hoffen wir, dass sich spätestens ab April wieder einige bekannte Frühblüher im Lehmann- Garten zeigen werden.
Neben diesen, wird es wie in jedem Jahr einige Pflanzen des Jahres 2026 zu sehen geben.
Zu den Pflanzen 2026 gehören der Baum des Jahres – die Zitterpappel (Espe), die Blume des Jahres – der Feldrittersporn (Ackerrittersporn), die Wildpflanze des Jahres – der Gemeine Natterkopf und die Stadtpflanze des Jahres – der Krähenfuß- Wegerich.
Der Feldrittersporn
Der Feldrittersporn als Blume des Jahres steht stellvertretend für viele Ackerwildkräuter, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten stark zurückgedrängt wurden. Er steht in allen Bundesländern auf der Roten Liste.
Der Feldrittersporn, Consolida regalis, gehört in die Pflanzenfamilie der Hahnenfussgewächse.
Verantwortlich für die Namensgebung ist die kelchartig und spornartig geformte Blüte. Man findet auch andere Bezeichnungen wie Hornkümmel, Kreienfot (Krähenfuß), Läusekraut, Mäuse- oder Rattenpfeffer oder Ottilienkraut. Der wissenschaftliche Name Consolida (lat. consolidare: stärken, fest machen) entspricht dem lateinischen Namen der Pflanze, regalis bedeutet königlich (lat. rex: König).
Die dunkelblaue Blüte dieser einjährigen Pflanze leuchtet schon von weitem an den Rändern von Getreideäckern. Der Feldrittersporn wird bis zu 40 cm hoch, der Stängel ist stark verästelt. Die Blätter sind wechselständig und zwei- bis dreifach geteilt mit langen, schmalen Zipfeln. Die tiefblauvioletten Blüten mit den fünf Blütenhüllblättern stehen in Trauben mit dem auffälligen 2,5 cm langen Blütensporn. Die Blütezeit geht von Mai bis September.
Der Rittersporn wurde schon im Altertum als Heilpflanze genutzt. Er enthält in allen Pflanzenteilen, besonders aber in den Samen, giftige Alkaloide, die denen des Eisenhutes ähnlich sind, aber mit einer geringeren Giftwirkung als dieser. Diese Alkaloide rufen Magenreizungen, Durchfall, Bewegungsstörungen und nervöse Symptome hervor. Die Giftstoffe greifen außerdem die Herzmuskulatur an und können Hautreizungen bewirken. Kinder sollten mit der Pflanze möglichst nicht in Kontakt kommen. Sogar Rinder können bei schwerer Vergiftung an Atemlähmung sterben. Dioskurides etwa beschreibt Rittersporn als Gegengift und zur Empfängnisverhütung. Eine Anwendung als Brechmittel zur inneren Reinigung sowie als Salbe gegen Hautjucken, Krätze und Läuse wird ebenso beschrieben.
Aus Legenden ist bekannt, dass in den Kränzen die zum Johannistag geflochten wurden, neben Bärlauch, Beifuß, Johanniskraut und anderen auch Rittersporn gehörte. Diese Kränze wurden über Türen und Fenstern befestigt, um böse Geister und Dämonen abzuhalten. Ein kleiner Kranz unter das Kopfkissen einer geliebten Person gelegt, sollte zukünftiges Glück bringen. Auch findet sich der Hinweis, dass man sich die Pflanze gegen angezauberte Krankheiten in die Schuhe legen soll, um diese wieder loszuwerden.
Der Rittersporn gilt als Symbol ritterlicher Haltung und Treue.
Die erste Veröffentlichung erfolgte 1753 als Delphinium consolida L. durch Carl von Linné, als Erstbeschreibung gilt Consolida regalis Gray durch Samuel Frederick Gray 1821.
Carl von Linné (1707- 1778), ein schwedischer Naturforscher, war von Kindheit an fasziniert von der geheimnisvollen Schönheit der Pflanzen und 1853 stand er kurz davor, eine bahnbrechende Schrift zu veröffentlichen. Er will die Flora und Fauna nach einem von ihm entwickelten System katalogisieren und der berühmteste Naturforscher aller Zeiten werden. „Mit Hilfe meines Systems können Wissenschaftler, Naturforscher, Gärtner und Fisch- oder Vogelfreunde auf aller Welt miteinander kommunizieren, ohne die Namen in der jeweiligen Landessprache zu kennen.“ Auf die Frage, woher er die Namen nehme, antwortete Linné, dass dazu Fantasie gefragt sei. Beispielsweise benannte er die Gattung Sigebeckia (auch Siegesbeckia) aus der Familie der Korbblütengewächse nach seinem Gegner Johann Georg Siegesbeck (1686- 1755). Dazu er selbst: „ Das klebrige Unkraut Sigesbeckia orientalis habe ich nach einem hirnlosen Holzkopf benannt, der in der Welt nichts anderes als eine widerliche Schleimspur hinterlässt und dessen Lebenszweck es ist, andere Wissenschaftler in ihrer Arbeit zu behindern.“ Diese und weitere Episoden sowie Erzählungen über das Leben des Naturforschers Carl von Linné werden mit feiner Ironie in dem Roman „Der Mann, der die Welt ordnete“ von Axel S. Meyer beschrieben.
Zum Abschluss ein Hinweis in eigener Sache
Das Banner am Zaun zur Prenzlauer Allee weist die Öffentlichkeit auf das kleine Idyll am Stadtrand hin, in diesem Zusammenhang sei auch auf die Öffnungszeiten des Lehmann- Gartens hingewiesen.
Wir haben von März/ April- Oktober jeden Mittwoch von 10- 12 Uhr für Besucher geöffnet.
Termine für Führungen außerhalb dieser Zeiten können unter folgenden Kontakten vereinbart werden:
Karola Ulrich- Koordination (01715850965)
Cordula Lick- Gärtnerin und gute Seele des Gartens (015208702371)
Zu den besonderen Höhepunkten im Gartenjahr gehören ohne Zweifel die Tage der Offenen Gärten am 13./14.06. und der Tag des Offenen Denkmals am 13.09.2026.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Ihr Team des Lehmann- Gartens
Bildnachweis:
Bild 1 + 2: Pixaybay.de (kie_ker)
Bild 3: Tom Schweers